QNAP-NAS in einer Stunde einrichten

Günstiger Preis, hohe Kapazität, schnelle und vor allem einfache Konfiguration bei hoher Zuverlässigkeit. Das sind die Anforderungen, die ein NAS (Network Attached Storage) im Endkundenbereich erfüllen muss. Aber wer oder was genau ist eigentlich ein NAS und wer braucht das überhaupt? Macht es Sinn, einen Aufpreis von einigen hundert Euro für die private Datenspeicherung gegenüber USB-Festplatten zu investieren? Was sind die Vorteile eines NAS, das die Daten zentral verwaltet?
Nachfolgender Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wann sich die Anschaffung eines NAS lohnt und ob die NAS-Einstiegslösung TS-212 der von QNAP (Amazon-Link) oben genannte Anforderungen erfüllen kann.
Datenspeicher USB-Festplatte, das Unding unserer Zeit
Fotos, Videos, Dokumente, sie alle brauchen Speicherplatz. Schnell sind mehrere hundert Gigabyte an Daten erzeugt, die dauerhaft gespeichert werden wollen. Was ist dabei naheliegender, als diese Daten einfach auf dem PC oder der USB-Festplatte abzulegen? Nichts, leider! Denn geht es darum, die abgespeicherte Inhalte wieder abzurufen, beginnt spätestens jetzt das Dilemma. Auf welchem Laufwerk waren die Urlaubsbilder gleich nochmal abgelegt? War es die 500 GB USB-Platte, oder die neu angeschaffte mit 1000 GB oder doch die aus Zeitgründen genutzte Notebookfestplatte? Schrecklich! Ganz davon abgesehen, dass sich viele Anwender nicht im Klaren darüber sind, dass solche "Datensicherungen" alles andere als sicher sind. Festplatten können von heute auf morgen den Geist aufgeben, die darauf gespeicherten Daten sind dann in der Regel unwiederbringlich verloren. Jetzt mag man auf die Idee kommen, die Urlaubsbilder einfach auf mehreren USB-Festplatten und DVDs abzulegen, um die Daten redundant und damit sicher aufzubewahren. Dauerhaft ist das nicht nur unübersichtlich und unkomfortabel, sondern durch den mehrfach verwendeten Speicherplatz auch teurer als nötig.
Eine gute Speicherlösung braucht mindestens zwei Festplatten
Verglichen mit einer USB-Festplatte ist ein NAS wie der Vergleich zwischen Kutsche und modernem Automobil. Ein gutes NAS ist dabei ein kleiner Computer in einem Gehäuse, welcher Platz für mindestens zwei Festplatten mitbringt. Optisch sieht ein NAS dabei auch nicht groß anders aus als eine überdimensionierte USB-Festplatte. Was der kleine Computer im Innern des NAS-Gehäuses jedoch leistet, ändert die Spielregeln komplett. Die verbauten Festplatten lassen sich zusammenschalten (RAID), was zwar den Speicherplatz im schlimmsten Fall halbiert (RAID 1), dafür aber die Ausfallsicherheit verdoppelt. Denn fällt eine Festplatte wegen Defekts aus, kann sie ohne Datenverlust getauscht werden. Die Daten sind dabei auf der zweiten Festplatte gespiegelt. Wird jetzt die defekte gegen eine neue Festplatte getauscht, stellt das NAS den Zustand vor dem Defekt der Festplatte wieder her. Das bietet zwar auch noch keine vollständige Sicherheit gegen Datenverlust, aber dass beide Festplatten gleichzeitig den Geist aufgeben, ist wesentlich unwahrscheinlicher als der Defekt nur einer Platte. Wem diese erhöhte Datensicherheit noch nicht ausreicht, kann bestimmte Dateiordner auch zeitgesteuert mit einem zweiten NAS oder einer am NAS angeschlossenen USB-Festplatte abgleichen. (Ja, in diesem macht die USB-Festplatte als zusätzliches Backup sensibler Daten tatsächlich Sinn.)
Ein NAS für das gesamte Netzwerk
Ein NAS bietet neben der reinen Datensicherung aber eine Vielzahl weiterer nützlicher Funktionen. Es wird dabei gewöhnlich per Netzwerkkabel in das heimische Netzwerk integriert, in dem es beispielsweise direkt an die Fritzbox (DSL-/Kabel-Router) angeschlossen wird. Standardmäßig meldet sich das NAS dann bei den heimischen PCs im Explorer/Finder als Ressource in Form einer Netzwerkfestplatte an. Das geschieht nach einmaliger Konfiguration automatisch, so dass alle gewünschten PCs gleichzeitig auf das NAS zugreifen können, personalisierter Zugriff inklusive differenzierter Berechtigungen. Unbedarfte Benutzer erhalten dann beispielsweise nur Lesezugriff auf den Ordner mit Urlaubsfotos, um diese zwar anzeigen, jedoch nicht versehentlich löschen zu können. Das hier vorgestellte QNAP NAS TS-212 unterstützt dabei alle gängigen Freigabeverfahren, um betriebssystemübergreifend (Windows, OSX sowie Linux) die jeweils beste Zugriffsvariante nutzen zu können.
NAS, die datensichernde Wollmilchsau
Das ist aber noch lange nicht alles, was ein NAS alles kann. Im Grundumfang gibt es bereits eine Vielzahl nützlicher Funktionen. Besonders interessant ist der Internetzugriff (setzt einen Router mit "Fernzugriff" voraus), was das NAS quasi zur Private Cloud aufbohrt. Eine schnelle Internetverbindung vorausgesetzt (der Upload ist gewöhnlich der Flaschenhals), ermöglicht dies neben dem Zugriff auf Dokumente auch das Betrachten von Fotos und Videos aus der Ferne. Neben den bereits im Standardumfang reichlich vorhandenen Funktionen lassen sich aber auch weitere Applikationen, vergleichbar mit dem Appstore von Apple, herunterladen. Die stetig wachsende Zahl an Erweiterungen wird im Falle von QNAP über das Webinterface mit dem QPKG Center bereitgestellt (siehe Screenshot links). Neben den offiziell im QPKG Center erhältlichen Anwendungen lassen sich aber auch weitere im QNAP-Forum (Link) verfügbaren Anwendungen installieren. Hierbei handelt es sich um noch nicht abschließend geprüfte Beta-Software. Hier sollten vor allem wenig versierte Anwender abgeschreckt sein. Am besten wird das NAS erstmalig mit den gewünschten Anwendungen konfiguriert und danach nichts mehr groß geändert. Ein NAS hat den Sinn wichtige Daten langfristig sicher aufzubewahren. Ein ständiges Ändern der Konfiguration ist dabei für den stabilen Betrieb alles andere als förderlich. Auch derjenige, der gerne immer die neuesten Software- oder Firmwareupdates einspielt, sollte sich hier besser zügeln, getreu dem Motto: Never change a running system. Denn im schlimmsten Fall macht ein missglücktes Update den Zugriff auf die Daten dauerhaft unmöglich. Wer nicht anders kann und trotzdem immer das neueste Update installieren möchte, sollte alle wichtigen Daten vorher unabhängig vom NAS (z.B. wie oben beschrieben auf einem zweiten NAS oder einer USB-Festplatte) speichern.
Einstiegspreis: 300 bis 350 EUR
Bei einem NAS muss man zwischen Anschaffungs- und Betriebskosten unterscheiden. Günstige NAS-Vertreter, wie das hier vorgestellte Modell TS-212 von QNAP gibt es ohne Festplatte bereits ab 150 EUR (Amazon-Link). Für die beiden Festplatten sollte nochmal zwischen 150 und 200 EUR (Amazon-Link) eingerechnet werden. Hier sollte darauf geachtet werden, dass zwei baugleiche Festplatten genutzt werden. Dadurch wird die maximal mögliche Geschwindigkeit sowie Ausnutzung des gesamten Festplattenspeichers erzielt. Insgesamt also 300 bis 350 EUR für derzeit (Stand 19. Mai 2012) 4 TB Speicherplatz, von dem durch die Datenspiegelung effektiv die Hälfte übrig bleibt. Wenn das NAS nach kurzer Zeit intensiv genutzt wird, um beispielsweise die darauf gespeicherten Videos über netzwerkfähige Streamingclients, wie dem Western Digital TV Live (Amazon-Link), direkt am heimischen TV abzuspielen, möchte man es am liebsten gar nicht mehr abschalten. Hier kommen dann die laufenden Kosten ins Spiel. Das QNAP TS-212 hat einen stromsparenden Prozessor mit 1,2 GHz verbaut und bietet die Möglichkeit die installierten Festplatten nach einigen Minuten Nichtbenutzung auszuschalten. Dadurch verbraucht das NAS im Dauereinsatz zwischen 12 und 20 Watt. Das ist in etwa so viel wie zwei bis drei Stromsparlampen. Hochgerechnet auf einen Monat ergeben sich so Kosten in Höhe von 2,20 EUR (bei 20 Cent/kWh, 24 Stunden Nutzung pro Tag und 15 Watt Durchschnittsleistung). Nutzt man zusätzlich die im Konfigurationsmenü integrierte Energieverwaltung (siehe Screenshot links), welche ein zeitgesteurtes Ein- bzw. Ausschalten des NAS gestattet, lässt sich dieser Wert weiter verringern. Laufende Kosten, die sich also bei der hier vorgestellten Lösung im Rahmen halten.
Einrichtung des QNAP-NAS TS-212 in unter einer Stunde
Ein NAS sollte schnell und vor allem einfach einzurichten sein. Deshalb wird nachfolgend beschrieben, welche Schritte bei der Erstinstallation des TS-212 notwendig sind und wie lange das dauert.
- Festplatte(n) installieren - 5 min
Das NAS-Gehäuse lässt sich seitlich aufschieben. Vorher sichergehen, dass das NAS vom Netzteil getrennt ist. Die untere Platte (HDD1) wird einfach in den Schacht eingeschoben und mit den beiden Anschlüssen verbunden. Die obere Festplatte (HDD2) wird mit den im Lieferumfang beigelegten Kabeln für Strom und Daten verbunden. Keine Hexerei und auch nochmal in der Anleitung gut abgebildet. - NAS starten - 3 min (Wartezeit)
Das NAS wird nach erfolgreichem Start automatisch ins Netzwerk eingebunden (Voraussetzung ist der physische Anschluss per Netzwerkkabel am Router). Die weitere Konfiguration lässt sich über den Browser (z.B. Firefox) erledigen. Alles, was man dafür wissen muss, ist die IP-Adresse des NAS. Diese erhält man über das Programm QNAP Finder, welches über die beigelegte CD installiert oder heruntergeladen werden kann (Download für Windows und OSX). Alternativ lässt sich die zugewiesene Netzwerkadresse auch über den Router selbst herausfinden. Wer nicht weiß, wie das geht, greift einfach zum QNAP Finder-Tool.
Firmwareupdate durchführen - 10 min (Download- und Installationszeit)
Ist die IP-Adresse bekannt (in meinem Fall 192.168.1.21), gelangt man durch deren Eingabe im Browser auf die Konfigurationsseite des NAS. Hier gibt es dir Aufforderung, die aktuelle Firmware zu installieren. Die aktuellste Version bezieht man am besten über die Herstellerseite im Download Center von qnap.com -> TS-212 TurboNAS Version 3.6.1 Build0302 (Direktdownload) mit 145 MB (Stand 19.05.2012)- "Schnelle Konfiguration" - 15 min (Einrichtung inkl. Wartezeit)
Hier werden zentrale Eigenschaften des NAS festgelegt.
Dazu gehört der Name, das Kennwort (unbedingt merken und ein sicheres Passwort vergeben!!!), Datum, IP-Adresse (auf automatisch lassen), die zu aktivierenden Dienste und die Konfiguration der Festplatten. Damit das NAS später von allen PCs (Windows, OSX, Linux) optimal genutzt werden kann, sollten im Schritt 5 alle drei Netzwerkdienste (Microsoft-Netzwerk, Apple-Netzwerk, Unix/Linux NFS) selektiert werden.
Administation-Login - 1 Minute
Jetzt hat bereits ein Benutzer (admin) Zugriff auf das NAS. Damit aber auch andere Anwender die gewünschten Ordner einsehen bzw. beschreiben können, muss noch die Administration bemüht werden. Das Administrations-Menü ist im Browser entweder über die IP des NAS selbst erreichbar, oder aber einfach über den im vorhergehenden Schritt definierten Server-Namen. In meinem Fall gebe ich also einfach http://ray in die Browserleiste ein und gelange auf die "Startseite" des NAS mit dem Server-Namen ray. (Würde später der Webserver mit Port 80 aktiviert, müsste ich http://ray:8080 eingeben.) Auf der in Schwarz gehaltenen Startseite wird nun "Administration" gewählt. Der Benutzername lautet admin, das Kennwort ist das, welches vorher im Schritt "Schnelle Konfiguration" selbst definiert wurde.
Freigaben definieren (Zugriffkontrolle -> Freigabeordner) - 5 Minuten
Im Standard gibt es bereits einige Freigabeordner, die genutzt werden können. Dazu zählt "Multimedia", der für Unterordner wie Videos, Musik oder Fotos herhalten kann. Hier sollte darauf geachtet werden, dass in diesem Multimedia-Ordner wirklich alle Multimedia-Dokumente verwaltet werden. Das hat den Vorteil, dass der spätere Zugriff von unterwegs (z.B. über die iPhone App - Infos hier) auf die Medieninhalte reibungsfreier funktioniert. In der Freigabeverwaltung können auch Unterordner, wie beispielsweise /Multimedia/Fotos als eigene Freigabe definiert werden. Das hat den Vorteil, dass für bestimmte Benutzer der Zugriff auf einzelne Unterordner von Multimedia beschränkt werden kann.
Benutzer definieren (Zugriffskontrolle -> Benutzer) - 5 Minuten (pro Benutzer)
Damit ein NAS sinnvoll von mehreren Nutzern gleichzeitig genutzt werden kann, sollten verschiedene Benutzer angelegt werden. Neben dem Benutzernamen und dem Kennwort kann hier auch der Zugriff auf unterschiedliche Freigabeordner eingeschränkt werden (siehe Screenshot rechts). Ist der Benutzer und die Berechtigung erteilt, kann dieser im Explorer/Finder sofort unter Angabe von Benutzername und Kennwort auf das NAS zugreifen.
Im Administration-Menü lassen sich noch viele weitere sinnvolle Einstellungen vornehmen. Für den Moment sollen die oben genannten Schritte zur Grundkonfiguration jedoch erstmal ausreichen. Wer Interesse an der Beschreibung weiterer Settings hat, kann seine Wünsche gerne als Kommentar posten.
NAS-Benutzungshinweise
Die nachfolgenden Tipps sollen gerade Neulingen dabei helfen, Datenverluste zu vermeiden:
- Ausschalten per Power-Taste
Im Betrieb sollte niemals einfach das Stromkabel getrennt werden, da dies schnell zu Datenverlusten führen kann. Zudem kann es vorkommen, dass nach einem solchen Stopp die auf den Festplatten gespeicherten Daten nicht mehr synchron sind und das NAS diese erst wieder abgleichen muss (Wiederherstellung des RAID-Levels), was bei verbauten 2 TB Festplatten ca. 10 Stunden dauert. In der Zwischenzeit sind die Daten zwar weiterhin erreichbar, die Zugriffsgeschwindigkeit ist dabei aber leicht eingeschränkt. Deshalb darauf achten, dass das NAS immer über die Power-Taste ein- UND ausgeschaltet wird. Das Herunterfahren wird durch einen kurzen Piep-Ton signalisiert, nachdem die Power-Taste für ca. 3 Sekunden gehalten wurde. - Sicherer Aufstellungsort
Am besten packt man das NAS an einen trockenen und kühlen Ort. Dafür bietet sich ein Regal in eine Abstellkammer geradzu an. Möchte man hier keine Netzwerkkabel verlegen, stellt man das NAS einfach neben den Router, an welchen das NAS in den meisten Fällen sowie direkt per Netzwerkkabel angeschlossen wird. Hier sollte man bedenken, dass jede unnötige Erschütterung schlecht für die Festplatten ist und unbedingt vermieden werden muss. Also am besten so platzieren, dass das NAS sicher vor Fremdeinwirkungen ist.
Aus meinem täglichen Leben
Ich habe den großen Bruder, das QNAP TS-509 Pro (hier vorgestellt) seit mehr als 2,5 Jahren mit derzeit fünf Festplatten ohne jegliche Probleme im Dauereinsatz. Es tut genau das, was es soll: Daten dauerhaft sicher speichern, nächtlich ein Backup auf eine externe Festplatte per eSATA erstellen und den weltweiten Zugriff auf meine Daten ermöglichen. Das können sicherlich andere NAS genauso gut, jedoch möchte ich aufgrund meiner positiven Erfahrung mit QNAP das hier vorgestellte TS-212 als Empfehlung aussprechen. Es ist kostengünstig, bietet mit den zwei internen Festplattenschächten für die meisten Anwendungsfälle ausreichend Speicherplatz und ist in weniger als einer Stunde nach dem Auspacken startklar. Noch dazu ist es kaum hörbar (eigentlich nur die Festplatten, wenn unter "Systemadministration" -> "Hardwareeinstellungen" -> "Konfiguration des intelligenten Lüfters" die Einstellung "Lüfterdrehzahl manuell einstellen" und "Niedrige Geschwindigkeit" gewählt wird), relativ klein und durch das abgerundete, weiße Gehäuse ohne Schnickschnack einigermaßen schick.
Mehr zum Thema:
QNAP-NAS: Die Private-Zuhause-Cloud
loading...

